Werner Mauss in der Internationalen Presse  

en es fr it
Textgre
 

Der Grund für diese Homepage ist: Aufklärung gegen Desinformation !

La Semana, größte politsche Wochenzeitung Kolumbiens, vergleichbar mit "Der Spiegel" und "Focus"

La Semana vom 02. März 1998, TITELGESCHICHTE


Mauss in vollem Galopp

Die Berichterstattung dieses Artikels basiert auf der Nachrichtenlage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.


Am 20. Mai 1998 wurde das Ehepaar Mauss in allen Anklagepunkten von der kolumbianischen Justiz rechtskräftig frei gesprochen.


Nach 18-monatigen Ermittlungen durch den Fiscal General de la Nación und den Procurador General - Staatsanwalt

u. a. gegen Behördenkriminalität - wurde richterlich festgestellt, dass das Ehepaar zu keinem Zeitpunkt während seiner Einsätze bzw. Aufenthalte seit 1984 in Kolumbien gegen das nationale Recht verstoßen hat.

Laut Urteil war die Inhaftierung und die neunmonatige Untersuchungshaft ab November 1996 rechtswidrig. Wie festgestellt, basierte sie auf der Grundlage von Intrigen der Firma Control Risks und der kolumbianischen Polizeibehörde - Gaula Medellin - welche nach Festnahme Strafgefangene manipulierte und zu Falschaussagen gegen das Ehepaar genötigt hatte. Diese gefälschten Beweismittel wurden später richtig gestellt und zurück gezogen. Auszug aus freisprechendem Urteil [Link]

Von 1995 bis zur Festnahme 1996 führte das Ehepaar Mauss eine Friedensmission im Einvernehmen mit dem deutschen Kanzleramt durch.


Die Bundesregierung bestätigte dies in einer Regierungserklärung Anfang 1997, die sie zusammen mit einer Verbalnote (Nota No.:022/97) ausgestellt am 25. Januar 1997 durch den deutschen Botschafter in Bogotá der kolumbianischen Regierung, dem Fiscal General de la Nación und dem Generalstaatsanwalt von Antioquia übergeben ließ.


Siehe auch Brief vom 22. Mai 2001 an westliche Regierung, geschrieben vom damaligen Staatsminister im Bundeskanzleramt und Koordinator der deutschen Nachrichtendienste,
Herrn Bernd Schmidbauer, MdB,
[Link]
sowie:

Anerkennungsschreiben vom 22. November 2005 an Werner Mauss, des zur fraglichen Zeit amtierenden kolumbianischen Staatspräsidenten Ernesto Samper[Link]

 


Untersuchungen von LA SEMANA haben gezeigt, dass sich hinter dem Fall Mauss mehr verbarg, als das Land wusste: ein fortgeschrittener Friedensprozess zwischen der ELN und der Regierung von Ernesto Samper.

Es war im Sommer 1995. Werner Mauss, der deutsche Superagent traf letzte Vorbereitungen für eine Operation in Asien, bei der eine Gruppe internationaler Terroristen festgenommen werden sollte, die in ganz Europa Terror gesät hatte. Der Mann mit den tausend Gesichtern und Identitäten wurde auf seinem privaten Telefon angerufen.

Am anderen Ende der Leitung war der Minister im deutschen Kanzleramt, Bernd Schmidbauer, der gleichzeitig auch Koordinator der Geheimdienste ist. Die Befehle des Ministers waren eindeutig: Mauss musste sofort nach Bonn zurückkommen. Sein alter Freund brauchte ihn um ihn mit einer supergeheimen Mission zu beauftragen. Diesmal ging es nicht darum Terroristen oder Banden der organisierten Kriminalität zu verfolgen, und auch nicht um mörderische Psychopathen, die ihr Leben damit verbrachten Attentate gegen Präsidenten und Kanzler zu planen.

Die Arbeit war anders geartet und würde in einem anderen Land stattfinden. In einem Land, das Schmidbauer wie seine Westentasche kannte; Jahre zuvor hatte er es auf dem Motorrad durchquert: Kolumbien. Der Auftrag für Mauss: eine Reihe von Kontakten zum Generalstab der Nationalen Befreiungsarmee ELN zu knüpfen um herauszufinden ob diese Guerillagruppe bereit war, sich mit der Regierung Ernesto Sampers an einen Verhandlungstisch zu setzen. Sobald die Aufgabe beendet war, sollte Mauss nach Deutschland zurückkehren um Minister Schmidbauer einen detaillierten Bericht vorzulegen, der später Bundeskanzler Kohl zur Begutachtung vorgestellt werden sollte;
 
DER AUFTRAG
Es war kein leichter Auftrag, aber Schmidbauer und Mauss waren der Ansicht dass man dieses Risiko eingehen müsse. Daher flog der deutsche Agent zusammen mit seiner Frau lsabel Seidel Anfang November 1995 von Frankfurt nach Bogota. Auf dem Flughafen "El Dorado" von Bogota erwarteten sie zwei Männer, die die Verbindung zu den Leuten der ELN-Führung herstellen sollten. Auf dem Flughafen wartete ebenso ein Team des Magazins „Der Spiegel“ unter Leitung von Hans Leyendecker, das von Mauss eingeladen worden war, um einen Dokumentarfilm über das Treffen mit der Guerillagruppe zu drehen. Bedingung für diese Einladung war die Exklusivität der Geschichte, die nur dann veröffentlicht werden durfte, wenn Mauss dies autorisierte. Wenn das ohne seine Genehmigung geschähe, so würde das einen Millionenbetrag kosten. Die Abmachung wurde schriftlich festgehalten, um Missverständnisse zu vermeiden. Der Vertrag verbot außerdem die Veröffentlichung jeglicher Fotos von Mauss mit der ELN.

Noch am selben Tag begann das Abenteuer im Urwald, auf der Suche nach dem Camp der ELN. Am 8. November trafen Mauss und seine Frau zwei der wichtigsten Kommandanten der ELN: Antonio García und Nicolás Bautista. Vier Tage und Nächte wurden Gespräche geführt, bei denen über die unterschiedlichen Ansichten zu dem Vorschlag der deutschen Regierung diskutiert wurde. Dabei wurde im Detail über einen möglichen Friedensdialog mit der Regierung Samper gesprochen und die Aussichten für Verhandlungen an einem Tisch.

Im Camp, in dem das erste Treffen zwischen Mauss und der ELN stattfand, befanden sich zwei entführte Italiener, Die Deutschen baten García und Bautista, sie als Zeichen des guten Willens frei zu lassen, um so die Friedensverhandlungen schneller voran zu bringen. Die Guerilleros waren einverstanden verlangten jedoch als Gegenleistung, dass das Ehepaar Mauss mit einer Botschaft zu seiner Regierung zurückfahren müsse. Diese Botschaft enthielt zwei Punkte: erstens die Koordination der Reise einer Gruppe von Anführern der ELN nach Deutschland, um sich dort mit Ländern der Europäischen Gemeinschaft zu treffen, um mit diesen über die Bedingungen für einen eventuellen Friedensprozess zu sprechen. Und zweitens die Lieferung von medizinischen Mitteln zur Versorgung der im Kampf verletzten Guerilleros, Die Antwort sollte nach vier Tagen vorliegen.

So begann für das Ehepaar Mauss eine Marathonreise. In drei Tagen flogen sie nach Bonn, trafen Schmidbauer und kehrten am frühen Morgen des 17. November zurück. Am selben Tag, es war fast Mitternacht, kamen sie wieder am Camp der ELN an. Die Antworten und die Vorräte, die sie mitbrachten waren der Freibrief für die Freilassung der Italiener. Das Ehepaar Mauss nahm sie in einem kleinen gecharterten Flugzeug nach Bogota mit und brachte sie in ein Luxushotel im Norden Bogotas, wo der Botschafter Italiens sie erwartete.
 
DIE REISE
Für das Ehepaar Mauss war der wohl wichtigste Schritt des Auftrags erfüllt, der ihnen von ihrer Regierung Wochen zuvor übertragen worden war. In Rekordzeit war es ihnen gelungen, das Vertrauen der ELN zu gewinnen. Ende November fuhren sie wieder nach Bonn mit dem endgültigen Bericht für Minister Schmidbauer.

Anfang Januar 1996 gab Schmidbauer grünes Licht damit der Mann seines Vertrauens wieder nach Kolumbien reiste um dort mit mehreren Mitarbeitern die Reise der Guerilleros in die deutsche Hauptstadt zu koordinieren. Garcia, Bautista und weitere 18 Guerilleros reisten aus Kolumbien aus - und zwar per Flugzeug. Dabei wurde nichts dem Zufall überlassen. Die Guerilleros wurden in vier Gruppen aufgeteilt. Sie reisten in Abständen von mehreren Tagen. Alle mussten durch die "Maske". Es war notwendig ihr Aussehen zu verändern. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft, darunter Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, stellten ihnen Sondergenehmigungen aus, damit sie sich problemlos bewegen konnten. Eine Sonderkommission der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Seidel-Stiftung erwartete sie.

Ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Psychologen, Politologen und Gewaltforschem führte verschiedene Seminare mit der Guerillagruppe durch. Sie mussten einen Bericht mit ihren Eindrücken und Empfehlungen für das deutsche Kanzleramt vorbereiten. Monate später legte die Kommission ein Dokument von 2.000 Seiten vor, welches dem Kanzleramt in Bonn überreicht wurde. Während diese Arbeit erstellt wurde führten García und Bautista Gespräche mit wichtigen Persönlichkeiten der Politik und der Menschrechtsorganisationen. Ein Treffen fand mit Schmidbauer selbst statt und mehreren Mitgliedern des deutschen Bundestages. Es blieb ihnen jedoch auch Zeit für Tourismus. Bei Ausflügen, die von Mauss organisiert wurden, sahen sie die Reste der Mauer von Berlin, sie fuhren auf Gondeln durch Venedig und sie besuchten einige Länder der früheren Sowjetunion.

Einer der wichtigsten Besuche war der im Vatikan, Dort erhielt der Friedensplan seinen Segen. Und so kam auch die Kirche mit ins Spiel. Für deren Mitarbeit wurde der Präsident der Deutschen Bischofkonferenz, Bischof Karl Lehmann, bestimmt. Er begann eine enge Zusammenarbeit mit dem deutschen Kanzleramt. Sieben Monate dauerte der Aufenthalt der 20 ELN-Guerilleros in Europa. Die deutsche Regierung garantierte für die Sicherheit der Guerillagruppe während ihres Aufenthaltes.
 
PLÄNE GEPLATZT
Für Schmidbauer und seine Leute gab es keinen Zweifel daran, dass alles glatt lief. Daher erhielten die Eheleute Mauss Anfang April 1996 den Auftrag in einer offiziellen Mission nach Kolumbien zu reisen. Diesmal sollten sie eine Reihe von Gesprächen mit Mitarbeitern der Regierung Samper führen um diese über den Friedenswillen der ELN zu informieren. An diesen Gesprächen nahmen der damalige Innenminister Horacio Serpa und Carlos Villamil Chaux teil, der von Samper zur Koordination der Gespräche mit den Deutschen beauftragt worden war.

Die Gespräche zwischen den beiden Regierungen gingen am 15 Juni 1996 in Bonn weiter bei einem offiziellen Treffen zwischen Horacio Serpa und Minister Schmidbauer. Mehrere Stunden sprachen sie über die unterschiedlichen Standpunkte und beschlossen das Thema weiterzuverfolgen um zu einer Übereinkunft der gegnerischen Parteien zu gelangen. Die Übereinkunft wurde am 21. September in New York protokollarisch festgehalten. Schmidbauer und Samper nahmen die UNO-Konferenz zum Anlass, um dieses Abkommen zu unterzeichnen. Zeugen waren Carlos Vilamil Chaux und das Ehepaar Mauss. Samper autorisierte den Friedensplan unter der Schirmherrschaft der Kirchen beider Länder und Schmidbauer bot seine Dienste als Vermittler an.

Aber eine Episode, die allen bekannt ist, ließ Pläne platzen und machte die Möglichkeiten zunichte an der Ausarbeitung eines Zeitplans für die Verhandlungen weiterzuarbeiten, die für den 16. Dezember 1996 vorgesehen waren. Eine Deutsche, Brigitte Schöne, war in Antioquia entführt worden. Ihre Geiselnehmer forderten einen Millionenbetrag an Lösegeld und laut Information der Gaula war Frau Schöne in der Hand der ELN.

Damals hielt sich ein Teil dieser Guerillagruppe noch in Europa auf um die letzten Details für die Verhandlungen zu besprechen, die im Dezember beginnen sollten. Der Ehemann von Brigitte Schöne hatte sich mit der deutschen Botschaft in Kolumbien in Verbindung gesetzt um Hilfe zu erbitten. Nachdem die deutsche Regierung über die Situation unterrichtet worden war wurde beschlossen, dass Mauss die Sache übernehmen sollte um eine Lösung für das Problem zu finden, das den Friedensprozess bremste und wobei außerdem die Forderung bestand, dass kein Deutscher entführt sein dürfe.

Während des Gesprächs zwischen Samper und Schmidbauer in New York erhielt Mauss einen Anruf von Herrn Schöne. Er hatte zwei Fragen für die Leute der ELN die sich in Deutschland aufhielten. Schlüsselfragen, die darüber Auskunft geben sollten ob seine Frau noch am Leben war. Mauss sandte die Fragen an das Kanzleramt und dann an die Guerilleros die sich in Deutschland befanden.

Dann begann eine Reihe von Telefonaten um den Aufenthaltsort von Brigitte Schöne festzustellen. Vier Tage später teilte die ELN dem Kanzleramt mit, dass sich Frau Schöne in der Gewalt von gewöhnlichen Kriminellen befand und dass sie - dank Kontakten zu den Entführern - Beweise dafür hätten, dass die Entführte am Leben war.

Eine Woche danach - im Oktober 1996 - erhielt Mauss eine Nachricht der ELN: das Problem der Frau Schöne sei gelöst Er könne nach Kolumbien reisen um sie in Empfang zu nehmen. Zu jener Zeit rief Control Risk, eine Firma, die sich dem Verkauf von Versicherungsverträgen gegen Entführungen widmet, im deutschen Kanzleramt in Bonn an und teilte mit, dass ihr der Fall der Frau Schöne und die Handhabung verschiedener Versicherungen für Entführungen in Kolumbien obliegen. Sie verlangte offiziell den Rückzug von Mauss in diesem Fall um Hindernisse zu vermeiden.

Schmidbauer entschied damals den Einsatz des Ehepaars Mauss abzubrechen. Er wollte Komplikationen für den Friedensprozess, der bereits zu stocken begonnen hatte, vermeiden. Am 1. November erhielt Mauss jedoch einen Anruf von Schmidbauer und dem Vorsitzenden der BASF und wurde gebeten seinen Einsatz zur Befreiung von Frau Schöne wieder aufzunehmen.

Noch am Nachmittag desselben Tages flogen sie nach Bonn um sich dort mit den Mitgliedern der ELN zu treffen. Das Gespräch fand in einer Pizzeria statt. Das Ehepaar Mauss informierte sie über die Dringlichkeit der Befreiung der Deutschen. Wenn diese nicht durchgeführt würde, würde der Friedensprozess zu Bruch gehen. Die Männer der ELN antworteten, sie wüssten nicht wie sie im Augenblick helfen könnten. Der Kontakt zu den Entführern in Kolumbien war abgerissen. Aber sie ließen eine Tür offen. Wenn ein hoher Mitarbeiter der deutschen Regierung persönlich um ihre Hilfe bäte wären sie dazu bereit.

Einige Tage danach bat im deutschen Kanzleramt in Bonn die deutsche Regierung um die Unterstützung der ELN bei der Befreiung der Frau Schöne. Am 14. November stellte die Deutsche Botschaft in Kolumbien dem Ehepaar Mauss ein Empfehlungsschreiben aus in dem die kolumbianischen Behörden um Unterstützung bei deren offiziellem Einsatz in Kolumbien gebeten wurden. Sie stellte ihnen aber auch Pässe mit verschiedenen Identitäten zu ihrem Schutz aus.

Alles andere ist bekannt. Am 16. November wurde das Ehepaar Mauss auf dem Flughafen von Medellín verhaftet und wegen erpresserischer Entführung und falscher Dokumente angeklagt. Werner Mauss wurde in das Hochsicherheitsgefängnis von Itagüí gebracht, während seine Frau in einer Zelle des "Buen Pastor"- Gefängnisses endete. Der Friedensprozess mit der ELN war gestoppt. Das für zwei Tage nach der Befreiung der Frau Schöne in Bogota geplante Treffen mit dem damaligen Innenminister Horacio Serpa fand nicht statt. Bei diesem Treffen hätte der offizielle Termin festgelegt werden sollten an dem sich die Regierung Samper in Bonn zu Verhandlungen an einen Tisch mit der ELN, Vertretern der deutschen und der kolumbianischen Kirche und der Regierung Deutschlands als Beobachter und Vermittler in dem Prozess setzen wollten.

Ein Jahr und drei Monate später befindet sich das Ehepaar Mauss immer noch in Kolumbien. Sie warten darauf, dass der Staatsanwalt über ihre rechtliche Lage entscheidet . Die für das Tribunal Nacional zuständige Staatsanwaltschaft hat den Anklagebeschluss gegen sie für nichtig erklärt.

Aber die Eheleute Mauss warten nicht nur auf Nachricht zu ihrer juristischen Situation. Sie warten auch auf die Möglichkeit dass der Friedensprozess wieder aufgenommen wird. Das deutsche Kanzleramt hat Anfang dieses Jahres durch den Vizepräsidenten des deutschen Bundestages verkünden lassen, dass man weiterhin an einer Vermittlung in dem Friedensprozess interessiert sei der vor zwei Jahren mit der ELN begonnen wurde.

 

Zum Seitenanfang springen